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Genueser Schiff


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Das Haus im Wandel der Zeit

"Warum wurde dieses schöne reetgedeckte Hotel hier so gefährlich dicht an die Ostsee gebaut?" wurden wir oft gefragt, "Und wer hat es gegründet?".

Was der Krieg übrig gelassen hatte, war ein Flakunterstand und dann 1946 ein Cafe.

Der Grundstein war ein verlassener Übungsstand der Flak, von dem aus während des Krieges die Schießübungen in der Hohwachter Bucht beobachtet wurden. Er hatte zum Glück vier Wände, die man besetzen konnte, ohne sie zu besitzen. Einer machte das und so entstand nach Kriegsende dort das Cafe "Die kleine Brise".
Die lange verbotene Jazzmusik erfreute die vielen Soldaten in dem großen Kraal, wehte aber auch der Ostwind bis Lütjenburg. Beim Wiederaufbau sollte aber wieder "Zucht und Ordnung" herrschen. Die Komtesse Waldersee, welche dieses Ödland, von ihr die "Prärie" genannt, von ihrem Vater geerbt hatte, wurde 1948 zur Verantwortung gezogen und sollte die Ordnung herstellen. Sie durfte das Gebäude für Zwölfhundert Reichsmark kaufen, sollte es abreißen und dürfte neu bauen. Sie entschied sich für eine Überbauung. Der Vorschlag, wieder ein Cafe aufzubauen, griff ihr aber nicht weit genug. Die weiten Ostseestrände in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone waren ja nicht mehr zugänglich. Es sollte ein Sommerhotel werden. Für das kleine Fischerdorf Hohwacht brach damals eine neue Zeit an.

Das kleine reetgedeckte Sommer-Hotel GENUESER SCHIFF von 1950 im Ödland 'Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.'

Der Architekt Karl Schöning entwarf und baute unter Verwendung von Fertigteilen der Fa. Delfs das kleine Hotel in nur 9 Wochen. So wurde am 8. Juli 1950 die erste Sommersaison eröffnet. Das neue Haus konnte in vielem die anspruchslose Zeit nicht verleugnen. "Wir haben nur eine Badewanne im Haus, aber die große Badewanne steht vor der Tür." wurde damals hingenommen Die Zimmer waren eigentlich Kombüsen und die Wände dünn. Doch das Haus in dem damals noch öden Vordeichgelände überwölbte vertrauensvoll ein breites Reetdach.

Für die Inneneinrichtung wurden kleinere Möbel aus dem großen väterlichen Waterneverstorfer Herrenhaus verwendet. Sie waren nicht modern, sondern waren, wie man heute sagt, "aus der Zeit". Aber gerade die Gäste, welche die junge Gräfin wollte, hatten den Sinn dafür. Nach dem Gedicht von Friedrich Nietzsche wurde das Hotel von ihr "Genueser Schiff" genannt. Das Gedicht war auch das Lebensbekenntnis der Gründerin.

"Dorthin - will ich; und ich traue
mir fortan und meinem Griff
Offen liegt das Meer, ins Blaue
Treibt mein Genueser Schiff."

So stand dieses Hotel bald mit wenigen anderen in Reisebüchern wie "Bei einem Wirte Wundermild" oder in "Rast auf Reisen" als etwas Besonderes. Man warb nur durch die besondere Atmosphäre und die sehr persönliche Betreuung. Diese Werbung ging schon damals nur von Mund zu Mund. Künstler und hohe Politiker kehrten ein.

Doch die Ansprüche der Gäste stiegen mit der Zeit. Die Zimmer waren zu klein, Badezimmer fehlten. Aus rationellen Gründen musste das Hotel mehr Betten haben, sollte aber dennoch die gleiche Atmosphäre behalten. Man wählte wegen der Handschrift denselben Architekten, es blieb aber bei dem reinen Sommerhotel, das 1960 auf das Dreifache vergrößert wurde. Das vertrug die Landschaft noch. Im größer werdenden Windschatten konnten Sträucher und Bäume Fuß fassen.

Es ließ sich gut an. Aber wieder änderten sich nach 10 Jahren die Wünsche der Menschen, die man gerne als Gäste erhalten wollte. Die Kriegsgeneration wollte zunächst reichliches und damals oft schweres Essen. Jetzt war höchstens Halbpension gefragt. Aber es gab auch im Zeitalter der Vollbeschäftigung die Schwierigkeit Saisonköche zu finden. Lange hatte die Gründerin mit 5-6 charmanten Haustöchtern, z.T. aus der eigenen Verwandtschaft, als Praktikantinnen gearbeitet. So wurde 1970 aus der Schweiz die Idee von Ferienwohnungen importiert. Also Verzicht auf die personalaufwendige zentrale Küche, auf Cafe und Restaurant. Dafür gab es großzügige Wohnungen für 2-7 Personen mit kleinen Küchen und eigenen Wohnräumen. In der Ferienzeit spielten bis zu 25 Kinder auf dem Innenhof, darunter auch die eigenen. Manche meinten, es wäre fast ein Kinderdorf.

Aber diese Zeiten änderten sich erneut. Konkurrierende Ferienwohnungen gab es bald überall. Nachfragen nach Restaurant und Cafe setzten wieder ein. Nun sollte die zweite Generation, der Sohn Philipp Brandt, der die Gastronomie in der Schweiz erlernt hatte, einsteigen. Er war in diesem Haus geboren und wollte übernehmen. Nach 17 Jahren wurde 1987 das Restaurant wieder eröffnet. Im Gastraum der ersten Stunde, wo zwischenzeitlich Gastzimmer eingerichtet waren, entsteht das neue Restaurant und hat mit Blick in alle Himmelsrichtungen Ostsee, Binnensee und Land - ein einzigartiges Ambiente. Und es fanden sich erstrangige Köche, die vom Feinsten kochten und bald stand das "Schiff" wieder in den Restaurant- und Hotelführern.

Nun gibt es Ferienwohnungen und Apartments in einem Hotel mit vollem Service, also etwas ganz Neues. Man kann, aber man muss nicht kochen. Das schon weit bekannte Strandkorb-Cafe, die Bistro-Bar und das "Kleine Restaurant" ergänzen das Angebot. Das ganzjährig geöffnete Hotel nennt sich jetzt "Ausschlaf-Hotel", d.h. bis 12 Uhr wird Frühstück serviert. Als Neustes gibt es Tages- und Nachtstrandkörbe mit einem besonderen Service, die "Traumkörbe 10/18" und "Traumkörbe 19/23".

Der "Genueser Außerhaus- und Festservice" erfüllt seit Jahren die persönlichen Wünsche in privaten Häusern oder auf Schlössern der Umgebung. Die 1998 gepachtete nah gelegene "Strandesberghalle" möchte als allgemeiner Veranstaltungsort mit einem weiteren Spektrum den vielfältigen Wünschen der Menschen gerecht werden.

Die unmittelbare Nähe des Hotels zum Wasser mag beneidenswert sein, aber  e i n  schwerer Sturm kann alles vernichten. Die Ostsee droht ständig, auch hier gilt "Wer nicht will deichen, der muß weichen". Laufend wird Land abgetragen. Alljährlich stehen tonnenschwere Findlinge zu Buche, im ständigen Versuch das Haus zu schützen. Mit den kleineren Steinen spielt die See nur.

Allen lockenden Angeboten, das eigene Gelände jenseits des Deiches aufzusiedeln, hat man widerstanden. So ist dort die Landschaft erhalten geblieben. Für Gabriele Brandt, geb. Gräfin von Waldersee, und ihren Sohn Philipp Brandt ist es ja ihre Heimat, die sie sich und den anderen bewahren wollen.

Zum Erben gehört die Verpflichtung, das Übernommene zu erhalten und gestaltend zu besitzen. So versteht man dort das Landschaftsschutzgebiet als einen Ort, wo Menschen und Natur unmittelbar zusammen leben können.

Beim Nachlesen des namengebenden Gedichtes von Friedrich Nietsche entdeckte Philipp Brandt für sich den zweiten Vers:

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit -:
Nur  d e i n  Auge - ungeheuer
Blickt mich's an, Unendlichkeit!

Hierin finden sich die Ruhe und Kraft dieses Fleckchen Erde genau so, wie die vielen Möglichkeiten der Gestaltung, die ständigen Weiterentwicklung, ohne gleich das Bewährte zu verlassen.

Stillstand gibt es offensichtlich nicht für das HOTEL GENUESER SCHIFF, das sich in 50 Jahren zu einem Jahresbetrieb entwickeln konnte. Es wird ruhig und gelassen seine Gäste unter dem weiten Reetdach empfangen und beherbergen.

Das jetzige Hotel GENUESER SCHIFF eingebettet in die Landschaft zwischen Ostsee und Großem Binnensee, heute schon in der zweiten Generation.