Historie der UmgebungHistorie der UmgebungHistorie der Umgebung
DatenschutzImpressumAGB
Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit
Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit
Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit

Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit


Vor
15000
Vor einigen Jahren - sagen wir mal vor ungefähr 15 000 - lag dort, wo heute das "Genueser Schiff" thront, einer von vielen hier noch über hundert Meter hohen Gletschern der letzten Eiszeit. Der "Futterkamper Gletscher" formte die Landschaft um Hohwacht mit ihren
12000Gletscherzungenbecken, Stauch- Grund- und Seitenmoränen und hinterließ beim Abschmelzen das heutige Kossautal, die Anhöhe des "Hessensteins" mit dem Pilsberg, das Steilufer des späteren Großen Binnensees vom "Königsblick" in Stöfs über die Alte Burg bei Neudorf bis hin zu jenem Hügel, der für lange Zeit Hohwacht genannt werden soll. Von dort mögen schon die ersten Jäger Rentierherden beobachtet haben, die durch die Tundra am jetzigen Meeresgrund zogen. 
10000
Vor 10 000 Jahren war der Meeresspiegel sehr viel niedriger und die Ostsee ein weit entfernter Schmelzwassersee. Aber mit der zunehmenden Erwärmung wuchs die Ostsee und änderte mehrfach ihren Charakter.
6000
Vor 6 000 Jahren überflutete sie die parkähnliche Waldlandschaft am Grunde der Hohwachter Bucht, wo die Jäger und Sammler fest siedelten und mit ihren Hunden zwischen Espen und Eichen, Kiefern und Birken auf die Jagd gingen nach Reh- und Rotwild, Fische harpunierten oder Muscheln sammelten und Haselnüsse rösteten. Immer wieder kann man fein gearbeitete Feuersteinwerkzeuge am Strand finden, die durch Stürme aus diesen untergegangenen Siedlungen angespült werden.
5000
Das Klima war warm und mild, jagdbares Wild gab es reichlich wie auch Früchte, Beeren und Pilze. Wieder sitzt jemand am Steilufer der Hohen Wacht und beobachtet diejenigen, die im Einbaum zum Fischen in die flache Meeresbucht fahren, da fällt sein Blick nach Osten, und er sieht gewaltige Feuer am Horizont. Es ist Frühjahr und er weiß, das sind die Fremden, die seit einigen Jahren immer näher kommen. Sie brennen den Eichenurwald ab, brechen den Boden mit einem Hakenpflug auf und säen und ernten Weizen, Gerste und Hirse. Mit ihren geschliffenen Feuersteinäxten bauen sie für ihre Sippen riesige bis zu 80 m lange Häuser um einen Innenhof. Sie haben zahme kleine Auerochsen und man kann mit ihnen gut tauschen, besonders Bernstein. Für ihre Toten bauen sie aus riesigen Findlingen mit Hilfe von Seilen, Ochsen, Rollen und Rädern große Grabkammern auf den Rücken der Hügelketten, richten sie nach Sonne und Landmarken aus und bedecken sie mit Erde. Allein auf dem Moränenrücken von Schmiedendorf über Neudorf nach Hohwacht gab es über 20 Stück.
4000
Während unsere Meeresbucht langsam verlandet und durch einen Strandhaken vom Meer abgetrennt wird, bilden sich durch einige Einwanderungswellen die Ahnen der Germanenstämme heraus und hinterlassen uns die bronzezeitlichen Häuptlingsgräber als mächtige Erdhügel. Klimaschwankungen und Unwetter führen auch zu Auswanderungswellen.
2000
So führt der Weg der Cimbern und Teutonen aus unserem Land vor 2000 Jahren bis nach Italien. Auch ein anderer berühmter Stamm unseres Landstrichs - die Sueben - zieht quer durch Europa, hinterlässt seinen Namen als Landschaftsbezeichnung in Schwaben und endet vor 1500 Jahren in der Gegend von Santiago de Compostella in Galizien durch die Nachbarschaft der Westgoten mit einem Königreich der Sweben.
1500
Sozusagen im Windschatten des Hunneneinfalls und der germanischen Völkerwanderung ziehen in unsere fast menschenleere Region slawische Einwanderer des Abodritenstammes, gründen bevorzugt in Wassernähe ihre Burgen und Siedlungen und nennen sich nach dem alten germanischen Wort für Bucht: Wagrier. Sie hinterlassen hier am Großen Binnensee bei der Kossaumündung einen Burgwall, einen Doppelringwall in der Anlage eines Heiligtums und einen Friedhof.
1200
Von unserem Hohwachtpunkt schaut man über den Sehlendorfer Binnensee auf den Siedlungshügel "Sechendorfer Hochborre", einen der ältesten und beständigsten slawischen Orte, vielleicht der Vorläufer von Lütjenburg. Den Namen kennen wir nicht, aber viele andere haben immer noch Bestand: von Putlos über Kaköhl hin zu Stöfs und Water-Neverstorf. Schnell mussten die Wagrier feststellen, dass sie zwischen die Grenzmahlsteine zweier Großmächte geraten waren: Von Süden das Kaiserreich seit Karl dem Großen, von Norden das dänische Wikingerreich seit Göttrik.
1000
Die slawische Hauptburg Starigard (Oldenburg) wird mächtig ausgebaut und von hier aus wird 1066 das berühmte Haithabu endgültig vernichtet. Mit einer Bündnis-, Heirats- und Vertrags- und Verratspolitik - einem Shakespeare-Drama ebenbürtig - versuchen die wagrischen Fürsten ihre Unabhängigkeit zu bewahren; vergebens, um 1200 hatten die Grafen von Schauenburg die Sache entschieden.
800
Das Prove-Heiligtum auf dem Wienberg bei Putlos zwischen den größten Megalithgräbern Norddeutschlands war von Missionaren niedergebrannt, Starigard aufgegeben, deutsche Ritter besetzen das Land planmäßig und bauen über 300 kleine befestigte Turmhügelburgen neben die Dörfer. Eine auch dem GENUESER SCHIFF gegenüber am Großen Binnensee - in der Nähe fand sich ein kleiner Silberschatz mit arabischen Münzen - eine weitere oben in Stöfs auf der Anhöhe - heute die Gruft der Grafen v. Holstein - eine dritte am Ende des Sehlendorfer Binnensees - Keimzelle des späteren Gutes Futterkamp. Kolonisten wurden ins dünn besiedelte Land gerufen und kamen: Holländer, Friesen, Flamen und Sachsen und Westfalen. Schon bald ging die slawische Bevölkerung in der neuen Mehrheit auf.
750
Überall entstanden nun feld- und backsteinerne Kirchen, häufig als Kirchorte an Wegen wie in Lütjenburg, manchmal an Orten slawischer Heiligtümer wie in Kirchnüchel oder auch wie in Oldenburg und Selent in die alte Siedlung hinein. Im Auftrag des Grafen von Holstein sind die Ritter zuständig für Rodung und Wegebau, Besiedlung und Rechtssprechung und erhalten dafür ein Drittel des Kirchenzehnten, den Kolonisten und slawische Bauern zu entrichten haben. Im Kriegsfall folgen die Ritter unter Waffen ihrem Grafen. Sie sind die Vorfahren unserer ältesten Adelsgeschlechter: der Rantzau und Reventlow, der Buchwaldt und Brockdorf.
700
Von unserem Ansitz, der Hochwacht, die noch 500 m weiter ins Meer ragte, schauen wir einem kleinen Handelssegler zu, der versucht in den Hertzberger Strom, der Einfahrt in die Kossau, vorbei am gewaltigen Strandhaken am späteren GENUESER SCHIFF bis nach Hassberg und weiter in den Lütjenburger Kreuzhafen zu gelangen. Vielleicht war hier der Schwarze Tod Gast an Bord, vielleicht war er schon angekommen. Die Pest entvölkert auch an unserer Bucht das Land: Das Dorf des Nevers am Wasser (Waterneverstorf) und die Burg gehen unter und die Wildnis kehrt zurück für lange Zeit. Währenddessen formt das Meer weiter die Küste, nagt am Lipper Lehmgrund, trägt ihn ab, wirft stürmisch Geröll und Sand auf den Strandhaken, lässt ihn zur Nehrung anwachsen und unseren Binnensee zum Haff werden. Am Waterneverstorfer Ort entsteht indessen eine stattliche Wasserburg, deren Kellergewölbe auch das heutige Herrenhaus tragen.
600
In unruhigen Zeiten wächst das adlige Gut der Rantzaus, während draußen Grafen, Könige und Hanse um die Macht in der Region kämpfen und hier im Haff Seeräuber Verstecke suchen und Handelsgelegenheiten mit Adel und Bürgern. Die Zeit der Ritter und Recken geht zu Ende, die Städte wachsen, der Bedarf an Agrarprodukten ebenso, auch wenn immer wieder Landsknechte durch die Lande ziehen und Bauern rekrutieren.
350
Die Gutswirtschaft mit ihren Insten und Leibeigenen gedeiht. Eine erste verbindliche Landkarte zeigt auch unsere Lippe, der Heimathafen des GENUESER SCHIFF. Spätestens jetzt ist die Grenze (Kossau - Hertzberger Strom) zwischen den Gütern Waterneversdorf und Neudorf (Hohwacht) gezogen und aktenkundig. Mit Genehmigung des Königs Christian von Dänemark wird die Lippe mit ihren Salzwiesen, Sumpfgebieten und Lagunen zum Jagdrevier auf Wasservögel für die Herren auf Waterneverstorf. Die wechseln mit den Jahrhunderten durch Tausch, Kauf, Vererbung und Verheiratung von Rantzau zu Reventlow, von Blome zu den Grafen von Holstein und dann auf die Grafen von Waldersee und jetzt ein kleiner aber nicht unbedeutender Teil von der Gräfin Waldersee auf Philipp Brandt. Nicht weit von hier und fast unbemerkt von Graureihern und Gänsesägern tat sich allerdings etwas für unsere Region Bedeutsames: Nach englischem Vorbild der "ornamented farm" wurde das Gut Neudorf durch die Hand des Amtmanns von Buchwaldt in ein parkähnliches Anwesen umgestaltet und am Ende dieser Anlage entstand das Ostseebad Hassberg mit Hotel und Pavillon auf dem Tempelberg.
160
Um 1850 war es eines der ersten und beliebtesten Bäder in den Herzogtümern - natürlich nicht zu nah an der wilden See. Die Naturgewalten hat das allerdings unbeeindruckt gelassen. Schwerste Stürme und Hochwasser bedrohten 1777 mit 4 m und 1872 mit 3,5 m über Normalwasserstand die Küste und beschädigten sogar das Herrenhaus in Waterneverstorf, vernichteten vor Lippe Ackerland und Bauernstellen und in Hohwacht Fischerhäuser und Lagerhäuser für den Lütjenburger Überseehandel; und große Flächen des wertvollen Ackerlandes wurden überflutet und versalzen.
130
Unter Conrad Graf v. Holstein wurde beschlossen, diese unsichere Situation zu beenden und die tiefliegenden Gebiete von Hohwacht bis Behrensdorf durch Dämme zu schützen. 5 Jahre lang zogen Bautrupps die Küste entlang. Unablässig rollten schwere Gespanne, um das Material heranzubringen. Der alte Hertzberger Strom wurde mit Rollsteinen verschlossen, das GENUESER SCHIFF wacht heute darüber, der Broek in Lippe mit Deich und Schleuse versehen und das Haff wurde endgültig zum Strandsee, der Neverstorfer See zum Großen Binnensee. Für das kleine Hassberg hatte sich inzwischen die Zukunft als Ostseebad verengt, die Türen wurden geöffnet für Hohwacht. Es zog die Sommerfrischler an die raue See in der romantisch-reinen Natur.
100
Im neunhäusigen Fischerdorf quartierten um 1900 schon 70 Sommergäste, wahrlich ein Vorzeichen des Massentourismus, wie einer der prominentesten Besucher, der Expressionist Karl Schmidt-Rottluff, kritisch beobachtete. Er verbrachte vor und nach dem 1. Weltkrieg einige seiner produktivsten Sommer hier in Hohwacht u.a. als Gast des Zollinspektors in dessen Dachkammer. Und Mitte der 20er Jahre kaufte die Stadt Lütjenburg aus dem Gut Neudorf ein gutes Stück Strand. Endlich hatte die Stadt ihren Seezugang, wenn auch nur für Badehosen und Strandhütten benötigt, so waren doch die Weichen gestellt: Alle Anstrengungen galten der Erholung. Die Mühen wären aber vergebens gewesen, wenn Ihre Kaiserliche Majestät Wilhelm II. den Vorschlag des Generalfeldmarschalls Alfred Graf von Waldersee, angenommen hätte, den Großen Binnensee zum Marinehafen der Ostseeflotte auszubauen.
40
Heute schützt eine weitere Deichlinie die Küste: Der Landesschutzdeich mit 3,2 m Höhe zerteilte das GENUESER SCHIFF Areal der Gräfin Waldersee in ein Deichvorland mit dem GENUESER SCHIFF und ein Deichhinterland mit dem KAMINHAUS und dem GENUESER LANDHAUS. Dieser Deich im Rücken des GENUESER SCHIFFES wäre allerdings auch in früheren Zeiten das eine oder andere Mal zu knapp bemessen gewesen. Trotz steigendem Meeresspiegel bleibt uns nicht mehr und nicht weniger als mit Gottvertrauen den kommenden Stürmen die Stirn zu bieten und zu tun, was eben möglich ist.
HeuteDieser Tradition folgend schützt das Genueser Schiff auf seine Kosten 500m Küste.

top
Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit
Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit
Hiesige Landschaft und Tourismus im Wandel der Zeit